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Mikroskopierkurs

Der Mikroskopierkurs fand am 18.02.01 im Restaurant Bären in Mägenwil statt. Mit der Rekordbeteiligung von 53 Besuchern wurde eindrücklich untermauert, welch hohes Interesse an Themen zur Koigesundheit besteht.

Gemäss einer Umfrage unter unseren KLAN Mitgliedern im letzten Oktober haben diese ohne Ausnahme bestätigt, dass sie schon Gesundheitsprobleme mit Ihren Tieren hatten und sich mehr Informationen zu Koikrankheiten wünschen. Diesem Wunsch wurde mit dem Mikroskopierkurs Folge geleistet.

Als Referentin konnten wir die in KLAN Kreisen bestens bekannte Fischtierärztin Frau Dr. med. vet. Sandra Lechleiter gewinnen. Sie hat zur Veranstaltung gleich noch Ihren Ehemann Herrn Strubelt mitgebracht. Beide zusammen bilden ein souveränes und höchst kompetentes Team.



Frau Lechleiter bietet in Ihrer Praxis in Stuttgart regelmässig Mikroskopierkurse für interessierte Koiliebhaber an. Bisher immer in einer kleinen überschaubaren Gruppe. Wie sollte Sie jedoch 53 Teilnehmer gleichzeitig unterrichten? Jedem 3 Minuten widmen? Das macht zusammen über 2½ Stunden und 52 Teilnehmer müssten die restliche Zeit untätig herumsitzen.

Die Lösung dieser Aufgabe wurde mit einem erheblichen technischen Aufwand bewerkstelligt. Zum Mikroskopierkurs standen mehrere Mikroskope den Teilnehmern in kleinen Gruppen zur Verfügung. Ein Mikroskop war mit einer hochwertigen Miniaturvideokamera ausgerüstet. Das Bild dieser Kamera wurde mit einem Video Projektor bei Tageslicht auf eine Grossleinwand projiziert.


Manche der Fische waren in einem schlimmen Zustand und wurden während des Kurses unter tierärztlicher Aufsicht fachmännisch mit einer Ueberdosis Betäubungsmittel von Ihren Leiden erlöst.

Parasiten sind häufig bei unseren Koi anzutreffen und müssen unbedingt früh erkannt und richtig behandelt werden. Erste Anzeichen sind Kratzbewegungen der Fische am Teichrand, am Boden, an Steinen etc. Kratzen sich mehrere Fische ständig, dann haben Sie ziemlich sicher ein Parasitenproblem im Teich.

Parasiten können sich insbesondere bei warmen Temperaturen explosionsartig vermehren und im Extremfall ganze Bestände vernichten. Oft sind Parasiten die verhältnismässig kleine Ursache für grössere nachfolgende Probleme. Durch die Schwächung und Verletzungen der Tiere werden sie anfällig für sekundäre Infektionen.


Verschiedene Parasiten verlangen nach verschiedenen Behandlungen. Es gibt kein Wundermittel gegen alle Parasiten. Grundvoraussetzung für eine richtige Behandlung ist das eindeutige Identifizieren der Parasiten. Dazu genügt bereits ein einfaches Mikroskop.


Wie betäubt man einen Fisch?

Arbeit in kleinen Gruppen:
Im ersten Teil des Mikroskopierkurses zeigte Frau Dr. Lechleiter wie man einen Koi vorschriftsmässig betäubt.

Das Betäubungsmittel, ein weisses Pulver, ist unter dem Markennamen MS222 bekannt und wird teelöffelweise in ein Becken mit wenig Wasser eingerührt. Dosierung ca. 0,5 bis 2 Gramm Pulver auf 10 Liter Wasser. Setzt man einen Fisch dann ein, wird er sehr schnell ruhig und kippt nach kurzer Zeit auf die Seite. Die Betäubung wirkt und er wird sofort aus dem Bad genommen.

Nach der Behandlung oder nach dem Abstrich ( s.u.) wird der Fisch zurück in sauberes Wasser gesetzt, noch etwas von Hand am Schwanzstiel festgehalten und hin und her bewegt bis er erwacht und nach wenigen Minuten wieder umherschwimmt.

Ein Koi muss für einen Hautabstrich nicht zwingend betäubt werden, versierte Koifreunde bewältigen das stressfrei auch am wachen Fisch.


Wie macht man einen Abstrich?

Für die mikroskopische Untersuchung nach Parasiten benötigt man einen Haut- und Kiemenabstrich.

Dafür wird der Fisch aus dem Wasser genommen und man kann direkt mit dem Objektträgerglas etwas Schleim von dem Fisch abstreifen. Dazu zieht man das Glas mit der Kante leicht schräg (damit man den Fisch nicht verletzt) mit ganz leichtem Druck vom Kopf in Richtung Schwanz. Schon relativ kleine Schleimspuren genügen zur Untersuchung.

Für einen Kiemenabstrich muss man einen Kiemendeckel mit dem Finger leicht öffnen und kann dann vorsichtig mit dem Objektträger von den Kiemenblättern etwas Material abstreifen.

Das abgestrichene Material wird dann in die Mitte des Objektträgers platziert und mit einem Deckglas fixiert. Die Untersuchung muss sofort erfolgen, weil mögliche Parasiten in der Probe schon nach wenigen Minuten absterben können und dann nicht mehr zu erkennen sind.


Wie schaut man das Präparat an?

Als Vergrösserungsmassstab genügt zunächst die 40-100-fache Vergrösserung.

Diese Vergrösserung hat den Vorteil, dass man ein grösseres Blickfeld hat und mögliche Bewegungen in der Probe leicht erkennt. Bewegung deutet auf Parasiten hin. Diese kann man dann besser fokussieren und mit höheren Vergrösserungsfaktoren ansehen.

Mehr als 400 bis 600-fache Vergrösserung ist nicht nötig um die am häufigsten vorkommenden Parasiten eindeutig zu identifizieren. Dazu reicht schon ein preiswertes Schülermikroskop aus.



Wie sehen die Parasiten aus?

Die nachfolgende Aufzählung beschränkt sich auf die am Häufigsten in der Koi Haltung auftretenden Parasiten welche wir bei unserem Mikroskopierkurs tatsächlich gefunden haben. Einzig die Beschreibung von Ichthy wurde hinzugefügt, weil er häufig vorkommt und bei Jungfischen grosse Verluste verursachen kann.


Costia
Costia vor Kiemengewebe
Costia, bei 400 -facher Vergrösserung als schnell und taumelnd hin und her bewegende Pünktchen zu erkennen. Ein einzelliges Tierchen das zur Gruppe der Zooflagellaten gehört.

Bei starkem Befall reagiert der Koi mit verstärkter Schleimbildung und Reizung. Zu erkennen an einem bläulichweissen Schimmer der Haut. Man sagt zu Costia er sei ein Hauttrüber.

Costia setzt sich auch auf den Kiemen fest und führt dort zu Atembeschwerden. Koi zeigen hohe Atemfrequenz! Bei kleinen Fischen kann es durch Costia in kurzer Zeit zu Massenverlusten kommen.

Costia stirbt bei Wassertemperatur über 30 Grad. Ein einfaches Mittel, aber nicht immer erfolgreich, sind Salzbäder. Am Häufigsten behandelt man Costia mit malachit- und formalinhaltigen Mitteln. Als FMC und unter vielen Markennamen bekannt.


Trichodina
Trichodina
Beim Kurs haben wir ein selten schönes Exemplar auf einem Fisch gefunden. Es sieht bei ca. 100- facher Vergrösserung fast wie eine Sonne aus. In einem runden Körper hat der Einzeller einen runden Hakenkranz der aussieht wie Sonnenstrahlen.

Trichodina trübt wie Costia leicht die Haut und kann zu Kiemenschwellungen führen, Symptome sind auch hier Kratzen der Fische, Apathie und hohe Atemfrequenz. Die Behandlung erfolgt wie bei Costia mit FMC Präparaten.


Chilodonella, herzförmiger einzelliger Hauttrüber
ohne Bild  Chilodonella ist bei ungefähr 100-200-facher Vergrösserung als sich drehend fortbewegende, fast transparente leicht herzförmige Gebilde zu erkennen. Symptome und Behandlung wie oben bei den anderen Einzellern beschrieben.


Gyrodactylus, Hauthakenwurm
Gyrodactylus mit
Jungem im Bauch
Er ist gut an seinem Hakenapparat zu erkennen. Ausgewachsene Tiere sind fast 1mm lang und schon bei geringer Vergrösserung 40 fach gut zu erkennen. Typisch ist seine Hin- und Herbewegung des zweizipfeligen Kopfes, der Hakenapparat am Hinterkörper mit bis zu 16 Haken (wie kleine Angelhaken) bleibt dabei stationär.

Häufig sieht man sogar im Inneren des Wurmes ein Jungtier und erkennt schon dessen Haken. Damit ist schon gesagt, dass der Gyrodactylus lebende Junge gebärt und keine Eier legt.

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Dactylogyrus ist, dass er keine Augen hat. Gyrodactylus lässt sich mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Wirkstoffe: Formalin, Mebendazol, Metrifonat, Flubendazol. Gyrodactylus entwickelt Resistenzen gegen die eingesetzten Medikamente. Besonders Fische aus Japan reagieren kaum noch auf Metrifonat.


Dactylogyrus, Kiemenhakenwurm
Dactylogyrus (4 Augen)
Dactylogyrus kann noch etwas grösser werden als der zuvor beschriebene Hauthakenwurm.

Er ist auch bei geringer Vergrösserung ,ab ca. 20-fach, gut zu erkennen und zeigt ungefähr den gleichen Bewegungsablauf wie Gyrodactylus.

Er unterscheidet sich vom diesem durch seinen vierzipfeligen Kopf, seine 4 Augen und dadurch, dass er Eier legt.

Die Eier sind als kleine bräunliche Kügelchen zu erkennen. Die Eier bleiben auch nach einer Medikamentenbehandlung unversehrt.

Darum muss eine Behandlung je nach Wassertemperatur zwischen dem 5. und 7. Tag wiederholt werden um die bis dann geschlüpfte Jungtiere auch zu vernichten. Die Behandlung erfolgt mit den gleichen Mitteln wie beim Gyrodactylus. Auch hier sind bereits hartnäckige Resistenzen bekannt.


Ichthy (Ophthiriusmultifilis), Grieskörnchenkrankheit
Ichthy-Schwärmer
Ein gefürchteter Parasit der besonders bei Jungfischen verheerende Schäden anrichten kann. Ichthy muss unverzüglich behandelt werden. Beim Ichthy gibt es verschiedene Entwicklungsstadien. So genannte Schwärmer befallen die Fische und sind im Abstrich ( ca. 100 -fach vergrössern) als kleine runde Punkte mit einem hellen Zentrum zu erkennen.

Bei ca. 600 facher Vergrösserung sieht man im Inneren des Parasiten eine Drehbewegung.

Nach dem Schwärmerstadium (erwachsener Ichthy) verlässt er den Fisch und schwimmt frei im Wasser. In diesem Stadium ist er unter dem Mikroskop als dunkle Kugel mit einem typischen hufeisenförmigen Kern zu erkennen.

Im Wasser vermehrt sich dann der Ichthy extrem schnell durch vielfache Teilung in bis zu 1000 Schwärmer die dann wieder auf die Fische losgehen. Ichthy sind klebrig und können dadurch bei mangelnder Hygiene mit Wasserpflanzen oder Gerätschaften aus anderen Teichen eingeschleppt werden.

Behandlung: Mit den üblichen malachithaltigen Medikamenten (FMC) je nach Temperatur 3mal hintereinander im Abstand von 3-4 Tagen.
Salzdauerbäder bei Neuimporten als Prophylaxe sind sehr empfehlenswert.


Wann entstehen Probleme?

Fast allen Parasiten haben gemeinsam, dass einige wenige Spezies in unseren Anlagen oder auf unseren Fischen unter normalen Umständen keine sonderliche Bedrohung darstellen. (Ausnahme Ichthy) Damit kommen Fische in guter Kondition zurecht.

Aufmerksamkeit ist bei jedem Eingriff in ein stabiles System geboten! Bei Störungen wie z.Bsp. nach dem Einsetzen neuer Fische, bei Umbauten, nach der Winterruhe, zu hohem Besatz etc. kann es explosionsartig zu erheblichen Problemen kommen.


Wie wird behandelt?

Bitte behandeln Sie niemals auf gut Glück und auch bitte nicht nach dem Motto: "Viel hilft viel".

Eine falsche Behandlung schadet meist mehr als gar keine!

Und auch schon so mancher gut gemeinte Rat eines selbsternannten Spezialisten wurde zum Desaster.

Deshalb ist es wichtig, zuerst eine eindeutige Diagnose zu erstellen und erst danach gezielt und richtig zu behandeln. Ziehen Sie im Zweifelsfall immer einen Fischtierarzt oder erfahrenen Koifachmann Ihres Vertrauens hinzu.

Und zur Sicherheit: Jede Dosierung vor der Anwendung zweimal kontrollieren und Dosierung nachrechnen! Es ist ein (über)lebenswichtiger Unterschied ob Sie ein Gramm oder ein Milligramm eines Medikamentes anwenden.

Wegen Parasiten oder falscher Behandlung darf kein Koi sterben!

Weiterführende Literatur zu diesen und weiteren Parasiten wie z.Bsp. Ankerwürmern, Karpfenläusen, Flagellaten, Trematoden, Argulus... finden Sie bei:

Dr. med. vet. Sandra Lechleiter "Krankheiten der Koi" sowie im KLAN-Sonderheft.

Mikroskopierkurs der Landesgruppe Schweiz
K. Weber